Sylvia Linder, Astrologin
Astrologie und politische Selbstbestimmung
Himmlisches wird schnell irdisch, Göttliches wird schnell menschlich, wenn es um die machtpolitischen Folgen von Lehren geht: Es war für die römischen Kaiser ein Element der Machterhaltung, ihren Untertanen den Zugang zu astrologischem Wissen zu verwehren, damit sie alleine dieses Privileg behielten. Die Kirche des Mittelalters kämpfte deshalb so erbittert gegen die Verbreitung wissenschaftlicher Lehren, weil sie ihre Macht auf Erden von einem allmächtigen Gott ableitete. Ihr Status bröckelte nun mit jedem einzelnen Naturgesetz, welches neu entdeckt wurde. Zu allem Überfluss ließ die Astrologie mit ihrem hohen Naturbezug auch noch die kirchlich verteufelte Lust als menschliche Beweggründe zu. Da landeten die Astrologen und die meist weiblichen Wahrsager noch dreimal lieber und schneller auf dem Scheiterhaufen als jeder wissenschaftliche Ketzer. (Frauen war damals der Zugang zum Wissen verwehrt, viele mussten sich aber wirtschaftlich alleine durchschlagen).
Öffentlich verfolgt wurde die Astrologie auch wieder zur Zeit der Nationalsozialisten, wobei sich Adolf Hitler hier übrigens genauso verhielt wie die römischen Kaiser: Selbst leistete er sich diverse Wahrsager, dem Volk verweigerte er den Zugang zur Sternenkunde, für die sich in dieser Zeit speziell hierzulande viele Wissenschaftler neu interessierten. 1939 wurde die 1910 in Leipzig gegründete „Deutsche astrologische Gesellschaft“ und spätere „Astrologische Zentralstelle“ verboten, zahlreiche große astrologische Gelehrte kamen in den Konzentrationslagern um. Doch konnten auch die Nazis keine 4000 Jahre alte Lehre auslöschen und so gründete sich die Deutsche Astrologische Vereinigung 1947 in Wiesbaden neu. Sie achtet bis heute darauf, dass alle Mitglieder „das Handwerkszeug der Astrologie beherrschen und Beratungen verantwortungsvoll durchführen“. -- Ich habe meine zweijährige Ausbildung beim Deutschen Astrologenverband absolviert und bin dort in Kürze wieder Mitglied. Näheres zu meiner Ausbildung lesen Sie hier.
Nach den bitteren Erfahrungen, die frühere Generationen mit der Fremdbestimmung durch weltliche oder kirchliche Herrscher machten, ist eine bis heute nachwirkende Abwehr verständlich gegen alles, was auch nur irgendwie nach einer höheren Macht riecht.
Niemand will sich heute mehr irgendwem oder irgendwas ausgeliefert sehen. JedeR möchte als aufgeklärteR WeltbürgerIn leben und das Schicksal selbst in die Hand nehmen. Doch was viele Astrologie-SkeptikerInnen nicht bedenken, ist: Die Sternenkunde nimmt dem Individuum keine Selbstbestimmung weg sondern verstärkt sie. Da es sich nicht um ein Glaubensdogma handelt, sondern um Naturgesetze, wird auch nichts von oben übergestülpt. Die Astrologie kann nur entweder ungenutzt bleiben oder bewusst in die eigenen Pläne einbezogen werden. Es steht jedem Menschen frei, auf dem Fluss des Lebens immer wieder mühsam gegen die Strömung zu paddeln oder zu verstehen, wie das Leben leichter, natürlicher und dadurch auch zufrieden stellender dahinlaufen könnte.









